Regen
Ein paar Regentropfen auf meinem Gesicht haben mich geweckt. Ich liege neben
der vollen Kohte, in der die Jungen schlafen.
Eigentlich ist trockenes Wetter vorhergesagt. Ich ziehe ein Stück Kohtenbahn, die
ich über meinen Schlafsack geworfen hatte, über den Kopf und drehe mich auf die
Seite. Mit der Zeit wird der Regen stärker. Ich messe dem keine größere Bedeutung
bei. Nicht bewegen, sonst läuft es irgendwo hinein. Alles ist wie früher. Nur ich bin
vielleicht etwas ruhiger geworden. Oder kommt mir das nur so vor? So döse ich
nochmal weg. Doch irgendwann ist es so weit: Das Wasser fand einen Weg durch
die alte Kohtenbahn und den Schlafsack und rinnt mir den Rücken hinunter. Also
doch aufstehen. Es ist noch früh.
In der Kohte ist alles ruhig. An einer Stelle tropft es durch die Abdeckplane. Ich
ziehe Tom mit seinem Schlafsack zur Seite und lasse die Jungen noch schlafen. Für
die meisten ist es die erste Fahrt. Sie werden vielleicht den Regen gar nicht
mitbekommen.
Ich laufe durch die nassen Wiesen. Die ersten Vögel beginnen mit ihrem
Frühkonzert. Wenn ich mich nicht bewege, wird mir kalt. Also verfalle ich in einen
leichten Trab. Eine Ricke mit zwei Kitzen äugt vom Waldrand. Der kräftige Regen
war langsam in einen Nieselregen übergegangen, nun ist es wieder trocken. Dunst
steigt aus dem feuchten Grund. Am Bach entledige ich mich meiner Kleidung und
nehme ein Morgenbad. Außer mir scheint keine Menschenseele unterwegs zu sein.
Ich genieße die Morgenstunde trotz der Feuchtigkeit in der Kleidung in vollen
Zügen. Läßt sich so ein Erlebnis in Worte fassen?
Die Jungen schlafen noch immer, als ich zurückkehre. Ich wecke sie mit einem
Lied. Für sie beginnt jetzt der nächste Fahrtentag.
Frank